LiteraTour 11:
Murten - Sugiez - Mont Vully

Wie W. Schmidli einen alten Mann und seine Katze einen Mord aufklären lässt

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Tasmanien liegt manchmal vor der Haustüre

von Patrik Wülser

Gebadet wird hier schon lange nicht mehr. Dafür im Sommer wacker Fisch schnabuliert und Wein getrunken. Die Umkleidekabinen im Garten des Restaurant «Bains» sind nur noch Kulisse und gleichzeitig erinnern sie an eine Zeit, als hier im Garten der Beiz eine strube Mordsgeschichte ihren Anfang nahm. Murten ist eine Stadt mit Platz für allerhand Geschichten. Und das ist wahrscheinlich ein Grund, dass Beat Brechbühl nicht der einzige ist, der hier im Städtchen mit seinem «Kneuss» Kriminalliteratur produziert hat. Etwa zur gleichen Zeit liess sich auch der Basler Autor Werner Schmidli vom See, den herbstlichen Nebelschwaden und dem Gekreisch der Möwen inspirieren. Es entstand ein Fall, dessen Spuren den Spaziergänger hier vom «Bains» gegen Osten dem See entlang bis auf den Mont Vully führen wird. Trotz des schwarzen Torfbodens des Grossen Mooses, der uns dabei teilweise als Spazieruntergrund dienen wird, ist das Opfer aber nicht im Moor erstickt, sondern ganz profan mit einem Stück Schwemmholz erschlagen worden. Es ist ein stiller Krimi, den Schmidli hier geschrieben hat. Sorgfältig belebt er die liebliche Landschaft mit Menschen, Tieren und Pflanzen aller Gattungen. Angereichert mit viel Wind, Sonne und Regen. Eine Idylle, die fast perfekt wäre, wenn da eben nicht eines morgens ein Toter auf dem Uferweg liegen würde. Der Mord erschüttert den Bilderbuchalltag der kleinen Provinzstadt. Doch innerhalb kürzester Zeit kann die Polizei den Täter verhaften und damit könnte man hier am See eigentlich wieder erleichert zur Tagesordnung übergehen. Wäre da nicht ein alter, eigensinniger Mann, der sich mit der raschen Lösung des Falls nicht zufrieden gäbe...


Der Autor: Patrik Wülser, geboren 1964, ist Redaktor bei Schweizer Radio DRS. Er lebt in Bern.

Murtensee


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Website zum Buch «Mordsspaziergänge»
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