LiteraTour 3:
Dürrenroth - Oberwald - Schonegg - Sumiswald

Auf der Suche nach Sam Jauns Emmental

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Im idyllischen Emmental wird mitunter wacker gemordet

von Thomas Meyer

Man muss sich das vorstellen: Sam Jaun, der gebürtige Emmentaler und ehemalige Kultursekretär der Stadt Bern, sitzt in einem Zimmer in New York und schreibt einen Krimi, der im Emmental spielt. Als In-spiration und visuelle Brücke zwischen Schreib- und Tatort dient ihm ein Swissair-Prospekt, der den Amerikanern eine Reise in seine Heimat schmackhaft machen soll. Mit den Fotos dieses Prospekts tapeziert er seine New Yorker Kammer, mischt die Kodachrome-Bilder an den Wänden mit den sepiafarbenen seiner Erinnerung und schustert sich damit ein eigenes, neues Emmental.

Das Emmental ist der Wilde Westen der Schweiz. Man braucht nicht dort gewesen zu sein, um es zu «kennen». Ohne je einen Fuss in die Wüste New Mexicos oder die Hügel und Gräben des Emmentals gesetzt zu haben, ist man immer schon tausend Mal dort gewesen. Auf dem Pferdewagen neben John Wayne im einen, zwischen Lilo Pulver und Hannes Schmidhauser im anderen Fall.

«Mit dem Emmental ist es so eine Sache, indem es fast durch-wegs nicht dort liegt, wo die Emme fliesst.» Das schreibt einer, der es wissen muss: Peter Trachsel, der ehemalige Stadtpräsident von Burg-dorf (im Emmental). Beispiele gefällig? Langnau i. E. liegt an der Ilfis. Wasen i. E. liegt dort, wo der Hornbach und der Churzeneibach zur Grüene zusammenfliessen. Affoltern i. E. liegt auf einem Hügel, von dem aus die Emme auch bei klarstem Wetter nirgends zu sehen ist. Trachsels Text thematisiert noch eine ganze Reihe weiterer Miss-verständnisse über das Emmental, neben denen die topografischen eher zu den harmloseren gehören (Gugger & Schürpf, 1997)
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Der Autor: Thomas Meyer, geboren 1959, ist freischaffender Soziologe. Er lebt in Bern.

Emmentaler Landschaft


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Website zum Buch «Mordsspaziergänge»
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